




(„Ein N**** darf nicht neben mir sitzen“), moderiert von Canan Topcu
Hallo, Beamer, Hexagon, Sahnepudding, Klaustrophobie, Schiedsrichter, Giraffe, Baum, Schnee, Burger, Hunger, Toilettenputzmittel. Als David Mayonga aka Roger Rekless es schafft, alle die von Schüler*innen der Klasse 8Gb genannten Wörter in einem Freestyle-Rap unterzubringen, erntet er begeisterten Applaus. „This was very good“, kommentiert Canan Topcu, die Moderatorin der Lesung, die am 16.2. in die Bibliothek der Otto-Hahn-Schule im Rahmen der Aktionswoche in Gedenken an den 19. Februar stattfindet. Ironisch greift Topcu damit auf, was der per Zoom zugeschaltete Musiker, Sozialpädagoge und Bestsellerautor kurz zuvor berichtet hat: Dass er selbst nach zweistündigen Veranstaltungen mit deutschsprachigem Freestyle-Rap oft auf Englisch gelobt wird.
Um Vorurteile und Zuschreibungen geht es in der von DEXT Hanau finanzierten Veranstaltung, aber auch um rassistische Gewalt und Hass. „Die Morde vor zwei Jahren werden von den meisten Menschen als rassistisch identifiziert“, erklärt Mayonga, „aber Rassismus beginnt in Wirklichkeit viel früher und hat mit dem zu tun, was wir als >normal< wahrnehmen.“ Als Sohn einer deutschen Mutter und eines aus dem Kongo stammenden Vaters wird er nicht selten nach seiner Herkunft gefragt. „Ich bin aus Marktheidenfeld“, gibt er dann gern zur Antwort. „Othering“ ist der soziologische Begriff, der solche Mechanismen beschreibt, die sich auch in einer frühen, schmerzlichen Kindheitserinnerung Mayongas widerspiegeln. „Ein N**** darf nicht neben mir sitzen“, erklärte ein Junge in Mayongas Kindergarten, worauf er sich einen anderen Platz suchen durfte. Diese institutionell gebilligte Kränkung führte bei dem dreijährigen David dazu, dass er seine Hautfarbe erstmals als „anders“ wahrnahm. Später machte Mayonga den Satz zum Titel seines 2019 erschienenen Buchs.
„Haben Sie vor allem verbale Verletzung erlebt, oder auch körperliche Gewalt?“, fragt Maya Schubert und erfährt, dass Mayonga auf der Straße angerempelt, verprügelt und mit einem Messer bedroht wurde, dass die schlimmste Erfahrung aber war, bespuckt zu werden. „Rassistische Erfahrungen sind traumatische Erfahrungen“, sagt er ernst, erklärt aber auch, dass alle Menschen zu Vorurteilen und Zuschreibungen neigen, was Moderatorin Topcu mit einer eigenen Anekdote untermauert. Dabei wirbt Mayonga für Nachsicht mit eigenen Fehlern: „Es geht nicht darum, alles immer richtig zu machen“, erklärt er, „vielmehr sollte man sich seiner Vorurteile bewusstwerden und daran arbeiten.“
Am Ende zeigen sich die Schüler*innen der 8Gb beeindruckt von der Veranstaltung. „Sie sind sehr sympathisch“, sagt Hala Quaswal, und Linus Kopetsch ergänzt: „Sie haben meinen vollsten Respekt.“ Man kann sich vorstellen, dass die Schüler*innen ihre Bibliothek an diesem Tag mit vielen neuen Gedanken und Erfahrungen verlassen haben.