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< Diskutieren kann jeder – klar denken, fair streiten ist angesagt! Jugend debattiert an der OHS
15.02.2022 14:38 Alter: 5 yrs

Aktionswoche der Otto-Hahn-Schule in Gedenken an den 19. Februar


Rund um den zweiten Jahrestag des Attentats vom 19. Februar veranstaltet die Otto-Hahn-Schule eine Aktionswoche „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“. In der Zeit vom 11.2. – 18.2.2022 finden Lesungen und Diskussionsveranstaltungen sowie eine Schreibwerkstatt statt. Zudem haben am 18.2. alle Klassen Gelegenheit, miteinander der Getöteten zu gedenken und zu überlegen, was „Schule ohne Rassismus“ für jeden Einzelnen konkret bedeutet.  

 

Wenn die Pause zur Hölle wird – eine Lesung mit Norman Wolf zum Thema „Mobbing“

Den Auftakt der Aktionswoche bildet am 11. Februar eine Lesung mit Norman Wolf, der der Klasse 6GB mit ihrer Lehrerin Christina Bereksasi sein zweites Buch „Wenn die Pause zur Hölle wird“ (2021) vorstellt. In diesem Buch berichtet der 28-jährige Psychologe offen von anhaltenden, zersetzenden Mobbingerfahrungen in seiner Mittelstufenzeit, die in ihm neben Angst und Ausgeliefertsein auch das Gefühl hervorriefen, falsch zu sein. „Warum wurdet ihr gemobbt?“, fragt er die Schüler*innen. Die Unterschiedlichkeit der Antworten – Herkunft, Sprache, Kleidung, Aussehen, zu klein, zu groß – offenbart, dass es beim Mobbing nur um eines geht: Sich selbst groß zu fühlen, indem man einen anderen klein macht. Norman Wolf ruft eindringlich dazu auf, nicht wegzusehen, sondern einzugreifen. „Seid aufmerksam und unterstützt euch gegenseitig!“, fordern auch die anwesenden Lehrerinnen die Jugendlichen auf. „Sprecht eure Lehrkräfte an! Geht in die AnsprechBar!“ „Oder kommt in die Bibliothek!“, ergänzt Marianne Merle, die hauptamtliche Bibliothekarin der „Otto“, „Auch hier ist immer jemand für euch da.“

Als es gongt, bleiben alle Schüler*innen noch eine Weile sitzen und lauschen dem, was Norman Wolf ihnen noch mit auf den Weg geben möchte: „Jeder von euch ist einzigartig. Es gibt keinen zweiten Menschen, der genauso ist, wie du. Du hast Wertschätzung und Respekt verdient.“  Mit diesen Worten könnte auch das Motto der Aktionswoche zusammengefasst werden.

 

Schreibwerkstatt mit Canan Topcu

In der einer Schreibwerkstatt der Klasse 8Ga mit Courage-Patin Canan Topcu geht es um Wahrnehmungen, Erinnerungen und Träume.

Zu Beginn der dreistündigen Veranstaltung, die von der kommissarischen Schulleiterin Angela Kirchhoff eröffnet wird, liest die Journalistin und Hochschuldozentin Topcu aus ihrem Buch „Nicht mein Antirassismus“ und entführt die Klasse mit ihrer Deutschlehrerin Julia Schwarz in den Garten ihres Großvaters, in dem eine wunderschöne Aubergine wuchs. In einer zweiten Lesesequenz lässt sie die Schüler*innen an schmerzlichen Erfahrungen teilhaben, die sie nach ihrem Umzug von der Türkei nach Deutschland in der Schule machte. Das Mädchen, für das in ihrem Herkunftsland alles selbstverständlich war - Gerüche, Geschmäcker und Zugehörigkeit, erfuhr nun, wie es ist, als „anders“ wahrgenommen und ausgegrenzt zu werden.

Nach einer Schreibübung zum Warmwerden fordert Topcu nun die Schüler*innen auf, sich gedanklich ebenfalls auf Spurensuche zu begeben und ihre ersten Erinnerungen niederzuschreiben, die sie im Anschluss einander vorlasen. So lernten sie voneinander, was sie in sehr jungen Jahren bewegt hat: das chilischarfe Lieblingsgericht der Großeltern, der Tod der Katze, die Spielfiguren im Kindergarten, der vom Vater mitgebrachte blaue Kindersitz. Zum Schluss entführt Topcu die Jugendlichen auf eine Reise in ihre Zukunft. Wer, was und wo bin ich mit 25? Die Ergebnisse sind so unterschiedlich wie die Klasse: verheiratet, mit Kindern, mit Hund, Lektorin, IT-Spezialist, Ärztin, nicht arbeitslos, in Kanada, in Hanau. „Es muss nicht alles klappen, was ihr euch vornehmt, aber es ist wichtig, dass ihr Träume habt“, ermutigt Topcu die Schüler*innen und berichtet, dass sie selbst zunächst auf der Hauptschule war. Viele hätten ihr, dem „Türkenmädchen“ das Gymnasium nicht zugetraut, doch davon habe sie sich nicht beirren lassen. „Vor allem entscheidet ihr selbst, wie ihr eure Zukunft gestaltet!“

 

Banner #rememberhanau

Ebenfalls am 11. Februar übergibt Anna Jagust von Demokratie (Er)leben Hanau der Schule das Banner, das an die Verstorbenen des Attentats vom 19.2. erinnert. Im Beisein der kommissarischen Schulleiterin Angela Kirchhoff, der kommissarischen Pädagogischen Leiterin Heike Kühne, Lehrkräften der Response-AG und Schüler*innen der Courage-AG wird das Banner am Zaun befestigt.

 

Sowohl die Lesung mit Norman Wolf als auch die Schreibwerkstatt mit Canan Topcu werden finanziert von DEXT Hanau (Fachstelle für Demokratieförderung und phänomenübergreifende Extremismusprävention).